Die Demokratie besteht bis zu diesem Tag als die älteste Staatsform und muss deshalb erst recht immer wieder aufs Neue verstanden und gelernt werden.

Man muss als Deutscher nur in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts schauen, um folgendes zu erkennen: Die größte Schwäche einer Demokratie ist, dass man sie auf demokratischem Wege überwinden kann. So war es in der Weimarer Republik. So war es in der ersten demokratischen Staatsform auf deutschem Boden. Die Weimarer Republik hatte ein durchaus gutes Fundament, aber zu viele Fehler und Oppositionen. Seien sie von Rechtsaußen, Linksaußen oder aus dem monarchistischen Lager. Es gab wenig Bestrebungen die radikalen Kräfte innerhalb des eigenen Systems im Zaum zu halten oder zu bekämpfen. Deshalb gilt es in einer wehrhaften Demokratie ausnahmslos alle radikalen Kräfte zu bekämpfen. Dieser kleine historische Ausflug lässt ganz gut zusammenfassen, mit welchen Herausforderungen wir es heutzutage zu tun haben. Denn in Zeiten großer Unruhen ist der Drang nach schnellen Antworten, Lösungen und Schuldzuweisungen größer denn je. Das ist die Stunde populistischer Kräfte jeglicher Art, welche die Sorgen und die Ängste der Menschen mit ihren schnellen Antworten und Schuldzuweisungen in hochkomplexen Themenbereichen der Politik ausnutzen. Es ist vielleicht auch zu einfach gedacht, dass es nur „Realpolitik“ und nur „Populismus“ gibt. Ein Politiker muss teils deutlich die Probleme beim Namen nennen, aber darf nicht mit den Fakten brechen und aus einer Politik der Problemlösung eine Politik der Schuldzuweisung machen. Denn man möge sich vor Augen halten: Die Geschädigten wären das Volk. Demokratie in seiner Grundform bedeutet außerdem nichts anderes als die Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit. Diese Punkte prangerte Sokrates schon vor über 2.000 Jahren an und wurde ironischerweise bei einem Gerichtsprozess durch eine demokratischen Abstimmung mit einer knappen Stimmenmehrheit zum Tode verurteilt. Aus diesem Grund wird Demokratie oftmals auch als „Mob Rule“ verstanden. Denn eine Demokratie, in der die 49% den 51% hilflos ausgeliefert sind, ist sinnlos. Deshalb braucht es in einer funktionierenden Demokratie allerhand „Schranken“ in Form einer starken Verfassung mit Maß und Mitte, damit diese nicht mehr „ausgehebelt“ werden können.

Schlussendlich gilt deshalb für damals und auch für heute:
Die Demokratie muss immer wieder neu gelernt und neu verstanden werden. Nicht nur ihre Geschichte, ihre Regeln und Institutionen, sondern auch die Rechte und die Pflichten eines jeden Individuum. Denn das Ideal einer liberalen und rechtsstaatlichen Demokratie ist heutzutage längst nicht überall selbstverständlich.

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