Wenn man die politische Spaltung des Landes in Gänze verstehen will, muss man etwas in der Zeit zurückgehen, etwa in die Zeit der Gründung der BRD. Im kollektiven Bewusstsein der Nation standen seinerzeit die Schrecken des Nationalsozialismus.
Deutschland hatte in der Folge des zweiten Weltkrieges nicht nur Gebiete verloren, sondern so waren die restlichen Gebiete Deutschlands in zwei Teile geteilt, die Innenstädte zerbombt und fast jeder hatte mindestens einen Toten aus seiner Familie zu beklagen.
Man hatte gelernt, dass die Folgen einer rechtsextremen Diktatur verheerend sein und viel Leid über das Land und seine Bevölkerung bringen können.
Fortan war die politische Richtung „rechts“ stigmatisiert.
In der Nachkriegszeit im Weltwirtschaftswunder herrschte zwar noch ein starker gesellschaftlicher Kollektivismus (der sich ja in die Kategorie „rechts“ eingliedern lässt) – verbunden mit einem starken Wirtschaftsliberalismus durch die Westbindung Konrad Adenauers -, jedoch sollte dies mit Ende des Wiederaufbaus vorbei sein.
Die linke Studentenbewegung der 68er, die in Deutschland besonders stark ausgeprägt war, sowie der aufstrebende Feminismus bestimmten die Jahre nach dem Wiederaufbau und darüber hinaus begünstigte der steigende Wohlstand historisch eine „linksliberale“ Richtung.
Linksliberal – heutzutage ein politischer Kampfbegriff – lässt sich in etwa so erklären:
Das „Links“ steht auf der wirtschaftlichen Achse für einen starken Kollektivismus, das heißt, dass das Gemeinwesen im Sinne einer Umverteilung von den Leistungserbringern zum Wohle der Gesamtgesellschaft im Vordergrund steht. Auf der gesellschaftsliberalen Achse ist diese politische Richtung liberal – man setzt also die persönlichen Freiheitsrechte in den Vordergrund.
Diese Richtung war in Deutschland lange Zeit erfolgreich, der Wohlstand machte es möglich, dass auch die Leistungsträger trotz steigender Abgaben immer noch ein Vermögen aufbauen konnten, und durch einen stärkeren Sozialstaat und steigende Mobilität fielen auch die Abhängigkeiten vom eigenen Umfeld immer weiter in den Hintergrund.
Frauen konnten sich eher von ihren Männern scheiden lassen, da sie nun nicht mehr von diesen finanziell abhängig waren, Bafög ermöglichte jungen Menschen ohne finanzielle Abhängigkeiten von ihren Eltern zu studieren und durch das eigene Privatauto war man auch nicht mehr örtlich an das eigene Umfeld gebunden – um lediglich einige Beispiele zu nennen.
Als die Sowjetregion Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts auseinander brach, löste sich auch der Gegner des Westens auf und die Gesellschaft dividierte weiter auseinander.
Es gab in der Tat noch rechte Kräfte – etwa in CDU und FPD – allerdings war rechts nur im Sinne von „konservativ“ in der Mitte der Gesellschaft akzeptiert.
Denn auch an den „rechten Strukturen“ fand sich für Viele etwas Positives.
Nationen sorgten für Identität, Heimat und Gemeinschaft, eine Ehe als auf Lebenszeit orientierter Bund war nach wie vor sinnstiftend. Auch wenn die Gesellschaft liberaler wurde, war es für viele Menschen sehr anziehend, etwas auf Dauer zu schaffen. Im Beispiel der Ehe etwa gibt ein solches Bündnis den Menschen Sicherheit und einen höheren Sinn.
In dieser Hinsicht war „rechts“ also noch gesellschaftlich akzeptiert, man wollte die gewohnten Strukturen erhalten (lat. conservare = erhalten).
Bekannte Protagonisten dieser Richtung waren etwa Franz Joseph Strauss (CSU) oder Alfred Dregger (CDU).
Doch auch hier setzten sich über die Zeit, gerade in den letzten 3 Jahrzehnten, progressive Kräfte durch, die konservativen Kräfte wirkten hier höchstens noch als „Bremsklotz“ dieser Entwicklung.
Wer hingegen politisch einen früheren Zustand wiederherstellen wollte, weil er von diesem überzeugt war, war dem demokratischen Diskurs außen vor.
Man kennt diesen Zusammenhang unter dem Fachbegriff „reaktionär“. 
Allerdings änderte sich die politische Ausgangslage am Anfang der 2000er.
Der Kampf gegen den Terrorismus begann nach 9/11 im Westen und ging auch an Deutschland nicht spurlos vorbei. Asien, allen voran China, betrat als neuer Gegenspieler des Westens die Weltbühne.
Mit dem Terrorismus hatte der Westen wieder einen Gegner und Chinas Streben nach der Weltmacht wurde immer deutlicher.
Hatte China bereits in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts seine Grenzen für den Welthandel geöffnet, änderte sich zusehends die Warenqualität.
Zunächst galt China als die Werkbank des Westens, es wanderten so zunächst Billigproduktionen nach Asien aus.
Dies war unproblematisch, denn es half Deutschland, sich auf Produktion im Hochtechnologiebereich zu spezialisieren und somit seinen Wohlstand durch die damit einhergehenden hohen Löhne in der breiten Masse zu vergrößern.
All dies begünstigte linksliberale Strömungen sehr und ließ immer mehr das Bewusstsein des internationalen Wettbewerbs in der Mitte der Gesellschaft verkommen, Westerwelle verglich dies vor etwa 10 Jahren mit „spätrömischer Dekadenz“.
Zu etwa solchen Zeiten begann auch die internationale Mächteverschiebung.
China ließ Städte mit Top – Universitäten und 6 spurigen Autobahnen aus dem Boden schießen und der Wohlstand erhöhte sich dort rasant.
Immer mehr deutsche Firmen verschoben ihre Standorte nach China und die Spitzentechnologien teilten sich auf das fernöstliche Land und die Vereinigten Staaten von Amerika auf.
Europa und Deutschland wurden in dem Bereich immer unbedeutender.
Deutschlands Wohlstand vermehrte sich zwar noch, indem es seine Automobil- und Maschinenbauindustrie auf den chinesischen Markt gut absetzen konnte, aber auch dort holte China verstärkt auf, und deutsche Unternehmen klagten zusehends über unfaire Wettbewerbsbedingungen in China.
Darüber hinaus brachte eine übereilte Energiewende in Deutschland, verbunden mit hohen Energiekosten und zusätzlich hohe Steuern, die Mittelschicht immer mehr in wirtschaftliche Bedrängnis und der Fokus lag in Teilen der Gesellschaft vermehrt darauf, wieder selbst mehr von seinem erwirtschafteten Geld zu besitzen. In dem Jahr 2015 sowie in den Folgejahren zeigten sich auch die negativen Folgen einer zu liberalen Einwanderungspolitik und daraus resultierend sank auch die Toleranz gegenüber gesellschaftlicher Liberalität.
Immer größeren Teilen der deutschen Gesellschaft wurde bewusst, dass sich der Westen und somit auch Deutschland auf dem absteigenden Ast befindet.
In diesem Teil der Gesellschaft wurde und wird im Zuge dessen der wirtschaftsliberale Leistungsgedanke wieder attraktiver.
Seit 2015 trat auch immer mehr ins Bewusstsein, was etwa Helmut Schmidt und Helmut Kohl bereits vorher ansprachen: Migration könne nicht die Dauerlösung für die Bekämpfung einer alternden Gesellschaft aufgrund einer niedrigen Geburtenrate sein.
Die Wichtigkeit der traditionellen Familie mit 3 oder mehr Kindern stieg in einem Teil der Gesellschaft an und gewinnt heute noch an Attraktivität.
Auch in der Verteidigung, die lange den Vereinigten Staaten überlassen wurde, wird der Ruf nach Stärkung der eigenen Streitkräfte immer lauter – das 2-Prozent-Ziel sei hier als Beispiel genannt. 
In diesem Teil der Gesellschaft werden die Rufe nach mehr Konservativismus immer lauter und auch reaktionäre Kräfte finden erstmals wieder seit dem 2. Weltkrieg – vertreten durch Teile der AfD – Einzug in den Bundestag.
Auf der anderen Seite stehen die progressiven Kräfte gegenüber, die durch die Erfolgserlebnisse der letzten Jahrzehnte eine große Erwartungshaltung gegenüber der Zukunft haben und über eine starke Repräsentanz in den deutschen Institutionen verfügen.
Sie fordern in Fortführung der letzten Jahrzehnte (abgesehen von Agenda 2010) etwa einen weiteren Ausbau des Sozialstaates, eine elterunabhängige Studienfinanzierung, mehr Einwanderung, mehr Frauenrechte (der Gedanke der Gleichberechtigung wurde längst durch den Gedanken der Gleichstellung ersetzt) und mehr Umweltschutz, sogar zur Not auch in unvernünftigen nationalen Alleingängen.
Dies sind in der Tat nicht zwingend schlechte Ziele, so mögen solche Ziele für gewisse Teile der Gesellschaft auch große Vorzüge aufweisen, gleichermaßen sind sie aber mit hohen Kosten für die Allgemeinheit verbunden und lassen eine Gesellschaft weiter auseinander dividieren.
Erstmals seit dem Bestehen der BRD ist die deutsche Gesellschaft daher stark gespalten.
Es ist ein Konflikt zwischen linken Kräften, die unterm Strich jahrelang die Richtung angegeben haben, und rechten Kräften, die als Reaktion auf den Abstieg des Westens und den Aufstieg der asiatischen Länder gesehen werden können.
Diese Spaltung wird wohl auf absehbare Zeit kein Ende nehmen, denn der Graben wird vermutlich in den folgenden Jahren eher noch zunehmen. Demzufolge liegt es nahe, dass der rechte Teil der Gesellschaft mit dem wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands weiter erstarken wird und der linke Teil in seinen Forderungen unter anderem durch die zunehmenden Umweltschäden, die Bevölkerungsexplosion Afrikas, die zu weiterer Flucht führen wird, und die sinkenden Löhne, wohl lauter werden wird.

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