Die Tragödie Wilhelm Gustloff – Ein ungesühntes Verbrechen 

Am 30. Januar 1945, wenige Monate vor Kriegsende, begibt sich die Wilhelm Gustloff von Gotenhafen aus gen Westen, um deutsche Kriegsflüchtlinge aus den ostpreußischen Gebieten vor dem Einmarsch der herannahenden Roten Armee zu retten. Bei Nacht und eiskalten Temperaturen, wird das riesige Schiff nahe Stolpemünde von drei Torpedos des russischen U-Bootes S 13 getroffen. Als die Wilhelm Gustloff zu sinken beginnt, befinden sich an Bord über 10.000 Menschen. Von ihnen werden mehr als 9.000 diese Nacht nicht überleben — es ist die bislang größte Katastrophe der Schifffahrtsgeschichte.

Das ehemalige Kreuzfahrtschiff der „Kraft durch Freude“- Gemeinschaft, 1937 noch das größte der Welt, diente seit Kriegsausbruch 1939 als Hospitalschiff für Verwundete und sollte sich durch die Operation Hannibal vom 23. Januar 1945, an der Rettung vom Landweg abgeschlossener deutscher Truppenverbände im Osten beteiligen. Nach Anweisung von Großadmiral Karl Dönitz hatte die Marine nun auch Genehmigung, bei der Evakuierung der c.a. 5 Millionen zivilen Flüchtlinge, durch Transportunternehmungen über die Ostsee zu helfen. Schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen können bis Kriegsende auf diesem Wege über die Ostsee gerettet werden.

Als das Schiff am 30. Januar ablegt, drängen sich unter den zehntausenden Evakuierten an Bord der Wilhelm Gustloff neben 1.500 Wehrmachtsangehörigen an die 8.800 verzweifelte Zivilisten, die endlich auf Rettung hoffen — unter ihnen befinden sich etliche Kinder und Jugendliche.

 Eine Zeugin dieser Tragödie ist die junge Marinehelferin Ursula Pautz. Zusammen mit anderen noch minderjährigen Marinehelferinnen erlebt Sie die Schrecken jener Nacht als Erste. Einquartiert in das ehemalige Schwimmbad an Bord des Schiffes, schlagen in unmittelbarer Nähe die Torpedos ein. Jahre später beschreibt Sie in einem SPIEGEL Interview die Szenen einer Hölle. Es sind die verzweifelten Schreie der Mädchen, die in den Fluten ertrinken oder unter geborstenem Stahl und Trümmern zerquetschen. Sie sind der Beginn eines stundenlangen Kampfes ums Überleben, der am Ende nur für wenige die Rettung bedeutet.

Die meisten werden in der Massenpanik auf den Fluren zertrampelt, werden erdrückt in der Menge, ertrinken oder erfrieren binnen weniger Minuten im eiskalten Wasser, bei Außentemperaturen von -20°C.

Rasche Rettung bleibt zunächst aus. Durch einen Stromausfall als Folge der Detonation, fällt die reichweitenstarke Funkanlage aus. Bis es dem Funkgefreiten Rudi Lange gelingt, über das Torpedoboot Löwe Hilfe anzufordern, ist es für viele bereits zu spät.

Der Löwe und dem hinzugeeilten Flottentorpedoboot T 36 gelingt es nur noch 1.252 Menschen aus dem Meer zu retten. Sogar während den verzweifelten Rettungsbemühungen, werden die beiden Schiffe vom sowjetischen U-Boot S 13 weiterhin rücksichtslos beschossen.

Aus kriegsvölkerrechtlicher Perspektive hat die Torpedierung der Gustloff dennoch als legitimer Akt zu gelten, da das Schiff in seiner Eigenschaft als Truppentransporter zumindest den rechtlichen Status eines Kriegsschiffes innehatte und obendrein Flugabwehrgeschütze montiert waren. Kapitän Alexander Marinesko jedoch war als prinzipienloser Trinker bekannt, der es im Winter ’45 zur Steigerung seines Ruhms, gezielt auf deutsche Flüchtlingstransporte abgesehen hatte. So versenkte er als Kapitän nicht bloß die Wilhelm Gustloff, sondern am 9. Februar 1945 auch das deutsche Passagierdampfschiff Steuben, welches seit 1944 für Verwundetentransporte genutzt wurde. Mit dem Abschuss der Steuben verendeten 4400 Menschen, lediglich 660 konnten gerettet werden.

 Marinesko der wie durch Ihn dokumentiert ist, erkannte wie tief die Schiffe im Wasser lagen, war sich seiner Situationen und der seiner Opfer bewusst. Ursprünglich für 600 Passagiere ausgelegt, war die Wilhelm Gustloff mit über 10.000 Menschen um ein vielfaches überladen — Marinesko aber kannte weder Skrupel noch Erbarmen, als er den Befehl zum Abschuss gab. Er ist ein schändliches Zeugnis dessen, welche Abscheulichkeiten ein Krieg hervorbringt, der auf allen Seiten keine Menschlichkeit mehr kennt.

Besonders zynisch erscheint zudem die Reaktion der Sowjetunion, welche Marinesko im Jahr 1990 posthum in die Reihe der »Helden der Sowjetunion« aufnahm, wie schon Jahre zuvor mit U-Boot-Kapitän Wladimir Konowalow, verantwortlich für Versenkung und Tod von 7000 Geflüchteten an Bord des Frachtschiffs Goya, am 17. April 1945. Bis heute gibt es von Seiten Russlands keine angemessene Reue. Im Gegenteil stellt seit 2014 ein entsprechendes Gesetz, jegliche Kritik an der Roten Armee des zweiten Weltkrieges unter Strafe — ein Land entzieht sich seiner Verantwortung.

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