Luisa Neubauer und der „zivile Ungehorsam als letztes Mittel“

In der pseudointellektuellen und eindimensionalen Welt von Luisa Neubauer scheint „ziviler Ungehorsam“ als vermeintlich „letztes Mittel“ legitim zu sein, wenn man sich vom bösen Establishment belogen und betrogen fühlt – welches man absurderweise mittlerweile selber darstellt. Es reicht nun, die Grenzen der subjektiven Toleranz selber so zu zeichnen, dass die Mittel des eigenen Widerstandes über das Demonstrationsrecht hinausgehen. Anders als gegen Ende der 1960er wird diese Herangehensweise des Widerstandes sowohl von großen Teilen der Politik als auch von den Medien unterstützt und gerechtfertigt. Aussagen, dass „die Gesundheit der Menschheit vor der Gesundheit der Wirtschaft stehe“ klingen zwar für den populismusanfälligen Politiklaien auf den ersten Blick ganz gut, aber wenn man den simplen Fakt betrachtet, dass ohne einer gesunden Wirtschaft eine gesunde Menschheit nicht möglich wäre, wird das Ausmaß dieser absurden und völlig realitätsfernen Aussagen immer deutlicher.
Es ist natürlich immer lobenswert, wenn sich vor allem junge Menschen politisch engagieren, um Missstände zu kritisieren und korrigieren zu wollen. Dies ist jedoch nicht mehr der Fall, wenn sie die Arroganz und Dreistigkeit an den Tag legen, zu behaupten, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und den Rechtsstaat im Zweifelsfall zu diskreditieren und zu non-verbalem Widerstand aufzurufen, während sie gestützt werden von ganzen Organisationen und wohlhabenden Gönnern im Hintergrund. Es geht längst nicht mehr um sachbezogenen, politischen Diskurs um Kompromisse und Lösungen zu finden, sondern darum Menschen, die einem widersprechen einen moralischen Stempel aufzudrücken und die eigenen Ziele, egal wie destruktiv diese für die Wirtschaft und damit automatisch auch für die Bevölkerung sein könnten, durchzusetzen. Im Zweifelsfall halt mit „zivilem Ungehorsam.“ Wie dieser aussehen kann, ist uns durch Bilder und Videos aus den USA hinreichend bekannt.
Jugendliche Rebellen, geführt von unterdrückten Aggressionen und rhetorischen Ausbrüchen jeglicher Art haben in einer sachbezogenen und rationalen Debatte für Lösungsansätze nicht viel verloren, egal wie moderat und ruhig sie sich in Interviews auch geben: Die Maske fällt immer irgendwann.

Bild: Von Ot – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=78886487

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