Einleitung:

„Stehenbleiben. Nichts anfassen!“ sagt ein Polizist zu uns auf Hebräisch. Auf Schritt und Tritt werden wir von drei Beamten bewacht und begleitet damit ich und mein orthodox-jüdischer Freund nichts anfassen oder womöglicherweise sogar anfangen zu beten. So ist das Gesetz nunmal welches Israel hier nach dem 6-Tage Krieg 1967 etabliert hat. Wo ich bin? Auf dem Tempelberg in Jerusalem. An dem Ort, der wie kein anderer für die Koexistenz der drei größten monotheistischen Religionen stehen sollte, dürfen nur Muslime sich frei bewegen, beten und hinsetzen wohin und wann sie wollen. Juden müssen sich vorher anmelden, kontrollieren lassen und dürfen auch nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Tagen auf den Tempelberg. Heute zwischen 9:30-13:30. Fast hätte ich es nicht geschafft und meinen Zug in Tel-Aviv Hagana verpasst, aber gegen 13:10 Uhr stand ich außer Atem und gestresst an den Kontrollen und musste alles Religiöse mit Bezug zum Judentum abgeben. Dazu gehörte die Ausgabe meiner Thora und mein Gebetstuch. All der Stress und die Ungerechtigkeit beschäftigten mich aber nicht so sehr in diesem Moment, denn zu vertieft war ich in all die Details die mir ins Auge sprangen und dieses ganz bestimmte Gefühl von Glück und Vollkommenheit. Ich kann nicht beschreiben, was ich gefühlt habe, als ich an den Grundmauern des einstigen Jerusalemer Tempels vorbeigelaufen bin, außer pure herzzerreißende Melancholie und etwas spirituelles, was ich so noch nie gefühlt habe. Meine Augen wurden etwas nass und ich fing fast an zu weinen, während mein Freund von den Charidim leise sein Gebet vor sich hin flüstert, damit unsere unfreiwilligen Begleiter bloß nichts davon mitkriegen. Die ganze Situation fühlt sich surreal an, wenn ich an meine Reise bis hierhin denke. Wie ich den Zionismus für mich entdeckt habe und mental befreit wurde, von den Ketten der säkularen Jugend geprägt von falschem Realismus und bedingungslosem Atheismus, welcher mich immer davon abgehalten hat, etwas tieferes zu fühlen. Etwas tieferes wie den Zionismus. Viel mehr als eine „Ideologie“ oder eine religiös motivierte Idee sondern ein Lebensgefühl, dem man sich in Liebe bedingungslos verschreibt.

Fortsetzung folgt..

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