Takashi Hara – Erster bürgerlicher Japaner als Premierminister

Takashi Hara (原 敬)
geboren am 15. März 1856 in Motomiya, Präfektur Iwate (damals Mutsu Provinz)
ermordet am 04. November 1921 auf dem Bahnhof Tokio
Partei: Rikken Seyūkai
Studium: Recht (abgebrochen)
Hara wurde in eine Samurai-Familie geboren. In dem Lehen Morioka, später Präfektur Morioka, heute Präfektur Iwate. Mit 15 Jahren verließ Hara seine Heimat und ging nach Tokio. Eigentlich wollte er an die Kaiserliche Marineakademie doch er scheiterte an der Aufnahmeprüfung. Er begann anstelle der militärischen Ausbildung ein Studium der Französischen Sprache an einer französischen Missionsschule. Mit 17 wurde er Katholik, sein Taufname ist David. Als er dieses Studium beendete begann er ein Jura Studium an der juristischen Fakultät des Japanischen Justizministeriums, nach Studentenunruhen brach er das Studium ab. Mit 19 Jahren verzichtete er auf seinen Adelstitel (Samurai waren Militäradel) und wurde Bürgerlich. Nach dem er kurzer Zeit als Journalist tätig war, nahm er 1882, eine Stelle im Außenministerium unter Inoue Kaoru an. Kurz darauf wurde Hara Generalkonsul in der Chinesischen Stadt Tianjin. Unter dem Außenminister Mutsu Munemitsu wurde er stellvertretender Außenminister zusätzlich der japanische Gesandte in Korea, nach einigen Jahren zog er sich aus dem Ministerium zurück und wurde Manager der Zeitung „Mainichi Shimbun“ in Osaka. 1890 ging er zurück in die Politik und trat der von Ito Hirobumi, neu gegründeten Partei “Rikken Seiyūkai“ bei und wurde direkt erster Generalsekretär der Partei. Hara kandidierte erfolgreich für das Repräsentantenhaus als Vertreter seiner Heimatpräfektur Iwate und wurde zum Kommunikationsminister in der vierten Ito-Administration ernannt. Hara war später zwischen 1906 und 1913 Innenminister in mehreren Kabinetten, eine mächtige Position, die es ihm ermöglichte, viele Reformen durchzuführen. Hara erkannte, dass ein grundlegendes politisches Problem in Japan die Spannung zwischen der gewählten Regierung und der ernannten Bürokratie war, und seine Karriere war darauf ausgerichtet, die Macht der nicht gewählten Bürokraten zu schwächen. Nach hitzigen Debatten wurde Hara 1914 zum Präsidenten des Rikken Seiyūkai ernannt, um den scheidenden Führer Saionji Kinmochi zu ersetzen. Unter Haras Führung verlor Rikken Seiyūkai bei den allgemeinen Wahlen 1915 zunächst die Mehrheitskontrolle über den Landtag, erlangte jedoch bei den allgemeinen Wahlen 1917 seine Mehrheit zurück. 1918 fiel Premierminister Terauchi Masatake aufgrund der Reisunruhen von 1918 aus dem Amt,
und Hara wurde am 28. September zu seinem Nachfolger ernannt. Es war das erste Kabinett unter der Leitung eines Bürgerlichen.
Außerdem war Hara der erste Bürgerliche in der japanischen Geschichte, der Verwaltungsleiter eines der Streitkräfte wurde, als er in Abwesenheit des Marineministers Admiral Katō Tomosaburō, der als japanischer Vertreter fungierte, vorübergehend das Marineministerium übernahm auf der Washington Naval Conference. Als Premierminister litt Hara unter der Popularität, weil er sich weigerte, seine Mehrheit im Unterhaus einzusetzen, um die allgemeine Wahlrechtsgesetzgebung durchzusetzen. Haras vorsichtiger Ansatz enttäuschte Liberale und Sozialisten, die ihn beschuldigten, das allgemeine Wahlrecht zu verzögern, da dies seine Machtposition gefährden würde. Als Parteipolitiker war Hara nie der Favorit der Konservativen, Bürokraten und Militärs gewesen, und er wurde von den Ultranationalisten weitgehend verachtet. In Korea setzte Japan militärische Gewalt ein, um die Samil-Rebellion zu unterdrücken, begann
jedoch später eine mildere Politik, um die Opposition gegen die japanische Herrschaft zu verringern. Insbesondere nach dem SamilAufstand
verfolgte Hara eine versöhnliche Politik gegenüber Kolonien, insbesondere Korea. Er richtete eine Kolonialverwaltung ein, die hauptsächlich aus Zivilisten und nicht aus Militärs bestand; und er erlaubte Koreanern ein gewisses Maß an kultureller Freiheit, einschließlich (zum ersten Mal) eines Lehrplans, der die koreanische Sprache und Geschichte enthielt. Hara versuchte auch, ein begrenztes Maß an Selbstverwaltung in Korea zu fördern – vorausgesetzt, die Koreaner blieben letztendlich unter japanischer imperialer Kontrolle. Seine Ouvertüren gewannen jedoch nur wenige Anhänger unter Koreanern oder Japanern; die ersteren hielten sie für
unzureichend, die letzteren für übertrieben. Hara überwachte den größten Teil der sibirischen Intervention, was zu einem wachsenden
Gegensatz zwischen Regierung und Militär führte. Am 4. November 1921 wurde Hara von Nakaoka Kon’ichi, einem rechtsgerichteten
Weichensteller, am Bahnhof Tōkyō erstochen, als er zu einem Parteitag nach Kyoto fuhr. Nakaokas Motive für die Ermordung von Hara
waren seine Überzeugungen, Hara sei korrupt. Einbeziehung des Zaibatsu in die japanische Politik, Verabschiedung des allgemeinen
Wahlrechts und Behandlung des Vorfalls von Nikolayevsk während der sibirischen Intervention ein Jahr zuvor. Nakaoka wurde auch von
seinem Chef beeinflusst, der ein lautstarker Gegner von Hara war. Nakaoka wurde zunächst zum Tode verurteilt, bevor er erneut zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Er wurde jedoch erst 13 Jahre nach Begehung des Mordes freigelassen.
Besonderes:
Er war der erste bürgerliche Premierminister Japans.
Er war neben Takahashi Korekiyo, Yoshida Shigeru, Tetsu Katayama, Ichirō Hatoyama, Ōhira Masayoshi und Tarō Asō einer der wenigen
Christlichen Premierminister.

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