Linke Standpunkte haben sich von brauchbaren Ideen aufgrund einer schlechten Ausgangssituation wie Unterdrückung oder Benachteiligung zu stumpfen Ideologien ohne Daseinsberechtigung gewandelt. Für moderne „woke“ Linke ist es wie Sarah Wagenknecht bereits sagte, wichtiger geworden über „Sprachsensibiliäten, Gendersternchen und Lifestyle-Fragen“ zu debattieren als über „Soziale Ungleichheit, Armutslöhne und niedrige Renten“. Dies ist auf die Entwicklung einer Bolschewik-Menschewik-Mentalität zurückzuführen, welche eine binäre Sichtweise bedeutet. Es gibt nur schwarz und weiß: „If you´re not with me, your against me.“ Alles was keiner linken subjektiven „antirassistischen“ Meinung, einem Radikal, entspricht, wird postwendend als faschistisch, rassistisch und sexistisch abgetan. Dabei muss man einzelne Punkte nicht beweisen, denn das ganze System sei „schlecht“. Dies dient wiederum als Rechtfertigung für eine Revolution, Reformation oder autoritäre Maßnahmen oder wie Luisa Neubauer sagen würde, für „zivilen Ungehorsam“. Dabei wird übersehen, dass Bernsteins Vision von evolutionärem Sozialismus schon längst umgesetzt wurde. Arbeiter haben durch Genossenschaften für Arbeiterrechte gekämpft, Frauen und Schwarze sind gleichberechtigt und 99% des Wohlstands wurde geschaffen. Warum sehen sich also gerade wohlstandsverwöhnte Millenials als Hauptleidtragende einer ungerechten Gesellschaft und die Heilung in einer Revolution gegen das Establishment, im Sozialismus? Mittlerweile sind die Repräsentanten des modernen Sozialismus nicht mehr die Arbeiter, sondern das Bildungsbürgertum. Das beste Beispiel dafür ist der Fall der Roten Mauer im Norden bei der letzten Wahl in Großbritannien, bei der die „Arbeiter“ ausnahmslos nicht die Labour- sondern die konservative Tory-Party gewählt haben, denn die kommunistische Akademia hat sich von ihnen entfremdet. Das Paradoxe ist, dass privilegierte Millenials das niederreißen wollen, wovon sie ihr Leben lang profitiert haben. Sozialismus verspricht ihnen vieles: Soziale Gerechtigkeit, weniger Armut, Jobs für alle, Antirassimus, Feminismus, Radikale Klimapolitik, Antisexismus, Antifaschismus und einen Kampf gegen das kapitalistische System. Dabei wird ein Blick in die Vergangenheit vergessen, der sie von vom Gegenteil der „heilenden“ Wirkung des Sozialismus überzeugen würde. Es wurde schon längst bewiesen, dass der Kommunismus keine reale, funktionierende Lösung ist, deshalb wird oberflächlich mit dem Finger auf das kapitalistische System gezeigt, dass für all ihr Probleme verantwortlich sein soll. Dieses ideologische Aufblühen und die Sehnsucht nach staatlichter, autoritärer Einmischung sind das Ergebnis einer Generation, denen es ökonomisch und gesellschaftlich in der Geschichte noch nie besser ging. Um es in den Worten von Friedrich Hayek zu sagen: „Es gibt viele Menschen, die sich Sozialisten nennen, obwohl ihnen nur die Ideale des Sozialismus am Herzen liegen, Menschen, die aus vollster Seele seine letzten Ziele bejahen, die aber weder begreifen noch zu begreifen für nötig halten, wie man sie verwirklichen kann, und die nur eines sicher wissen, nämlich, dass sie um jeden Preis verwirklicht werden müssen.“

Titelbild: By Boris Kustodiev – Tretyakov Gallery, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3219877

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