Was am Mittwoch, den 06.01.2021 in Washington passiert ist, ist durch nichts zu entschuldigen. Der Sturm auf das Kapitol überschritt eine rote Linie, die von jedem anständigen Demokraten verurteilt werden muss.
Soweit sollte Konsens herrschen.
Falsch ist allerdings zu behaupten, Trump habe alleine einzig Schuld an den derzeitigen Zuständen. Er trägt sicherlich die Verantwortung für die Eskalation der Situation, wer aber ihn als personifiziertes Böse ausmacht, das überwunden werden müsse, um wieder eine heile Welt herzustellen, bedient sich eines Feindbildes. Feindbilder jedoch sind dumm und Feindbilder verhindern eine Ursachendiskussion und somit jegliche Problemlösung.
Der Sturm auf das Kapitol ist die Zuspitzung der Spaltung der USA, die sich auch durch den Rest der westlichen Welt zieht. In einem vorherigen Artikel ging ich bereits auf die Spaltung am Beispiel Deutschlands ein. Es ist ein Konflikt zwischen links und rechts, zwischen Globalisierung und nationalem Denken, zwischen Stärke und Gleichheit, der sich vor dem Hintergrund eines untergehenden, hilflosen Westen und einem aufstrebenden Osten immer weiter zuspitzt. Auf kurze Distanz wird es hier sicherlich zu keiner Lösung kommen, zu tief sind die Gräben und zu groß die Zukunftsängste jedes Einzelnen, die sich nicht allzu oft in ebenjener Spaltung kanalisieren und zu gering sind auch im Zuge der Globalisierung die kollektiven Identitäten der westlichen Länder geworden, die seit jeher für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen.
Trumps Präsidentschaft war gekennzeichnet von politischen Erfolgen, wie einer aufstrebenden Wirtschaft, die jeglichen Vorhersagen um 180 Grad widersprach, von Friedensherstellung unter anderem im Nahen Osten und mit Russland, oder der Begrenzung der Migration aus Mittelamerika. Diese Erfolgsserie endete in seinem Zustimmungsverlust in der Corona-Krise, die ihm seine vorher fast sicher geglaubte Wiederwahl gekostet hat. Sie war aber auch geprägt durch massive sprachliche Entgleisungen und persönlichem Fehlverhalten.
Die Betrachtung seiner Präsidentschaft ist jedoch selten differenziert, entweder verfällt sie in absolute Glorifizierung oder konsequente Verteufelung.
Negativ stoßen mir als bekennender Konservativer die Reaktionen auf den Sturm auf das Kapitol aus dem linken Lager auf. Es ist völlig okay, wenn man das Geschehen von 06.01. auf das Entschiedenste verurteilt, das tue ich auch. Unangemessen sind jedoch die Verurteilungen nach dem Motto: „Wir haben es ja sowieso schon immer gesagt, da sind die Bösen.“ Oft genug kommen solche Verurteilungen genau von Personen, die in der Vergangenheit in allergrößter Selbstgerechtigkeit jeden blöden Witz von Donald Trump auf die Ebene einer Staatsaffäre heben mussten. Es sind oft genug Personen, die Donald Trump sowieso nie eine Chance gegeben haben oder gegeben hätten. Donald Trump stand zu Beginn seiner Amtszeit für eine andere Politik, die gewählt wurde, aus maximaler Unzufriedenheit mit dem vorher dagewesenen. Der angebliche 3. Weltkrieg oder der Bürgerkrieg, der von vielen seiner Gegner just nach der Machtübernahme prophezeit wurde, ist nie eingetreten, im Gegenteil, es kam zu einer Phase des Friedens und der Entspannung der Konflikte. Das hätte man auch anerkennen und seine Weltkriegsprophezeiungen zurücknehmen müssen, so viel Fairness darf auch ein Donald Trump erwarten. Im Gegenteil wurden seine Erfolge gerade in den deutschen Leitmedien so gut wie nie erwähnt, und hingegen mit maximaler Eifrigkeit nach peinlichen Situationen Ausschau gehalten, über die man sich echauffieren konnte. Auch in der Briefwahl waren einige Dinge schief gegangen und es war Trumps Recht, dies gerichtlich zu überprüfen. Wer ihm das verwehren wollte – und davon gab es viele – der verhielt sich zutiefst undemokratisch.
Donald Trump ist definitiv kein Heiliger. Wer sucht, findet viel kritikwürdiges. Es ist aber auch dem Suchenden negativ anzukreiden, wenn er mit gewaltigem Tatendrang wirklich alles Negative herauskramt, um es dann in Dauerschleife herunterzubeten ohne Positives anzuerkennen, und um damit das Bild des Bösewichts per se aufrecht zu erhalten. Das ist in der Betrachtung im höchsten Maße unfair und ich gehe soweit, zu behaupten, dass auch diese Menschen eine Mitverantwortung an den Ursachen der Eskalation am vergangen Mittwoch tragen.
Bereits im Kindergarten lernten wir zu Recht hoffentlich alle, dass zu einem Konflikt immer zwei Parteien gehören, und jede Seite ein Stück der Verantwortung trägt. Der Sturm auf das Kapitol SELBST, der geht auf Kosten von Donald Trump, er hat mit seinen Statement in den letzten Wochen massiv zu dieser Eskalation beigetragen. Das hätte nicht passieren dürfen und er täte gut daran, vorzeitig seinen Posten zu räumen und mit einem Rest an Würde abzutreten. Aber wer Amerika wieder ernsthaft zusammenführen will, der sollte tunlichst sein Feindbild ablegen und nicht auch noch – wie Nancy Pelosi – den Verdacht eines Atomanschlages von Seiten Donald Trumps sähen. In Nevada wollen die Demokraten schon offizielle Listen führen, wer Donald Trump dort unterstützt hat. Mit solchen Taten führt man mit absoluter Sicherheit kein Land zusammen.
Man überwindet auch keine Spaltung, wenn man die andere Seite dafür verantwortlich macht und für die Beendigung der Spaltung die Unterwerfung der anderen Seite erwartet.
Wer eine Spaltung tatsächlich überwinden will, der muss aus seinem Lager herauskriechen, und aufhören, der andere Seite vorzuwerfen, sie träge die alleinige Verantwortung. Das bedeutet nicht, dass man seine Positionen über Bord werfen muss und nicht weiterhin harte Kritik an der Gegenseite üben darf. Das gehört zur Demokratie und wir täten gut daran, Demokratie nicht als Kuschelzoo zu betrachten, sondern weiterhin standhaft und selbstbewusst unsere Positionen zu vertreten, auch wenn das zu Konflikten führen mag.
Man sollte aber so viel Demut zeigen, dass man selbst – egal auf welcher Seite man gerade steht – einen Teil der Verantwortung für die Spaltung zu übernehmen.
Dann lassen sich auch Situationen wie diese in Zukunft vermeiden.
Wir haben es alle in der Hand.

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