Gendern ist in aller Munde. Doch was genau bedeutet es eigentlich und warum sollte man es verwenden, oder sein lassen?

Hier ein kleiner persönlicher Bericht von mir:

Die simple Idee des Gendern ist es, Sprache gendergerecht zu gestalten.

Gendern bisher:

Wenn man über Berufe oder Bezeichnungen spricht, ist es bisher üblich gewesen, den grammatikalischen männlichen Plural zu verwenden. Dies nennt man das generische Maskulinum.

Allerdings fühlt sich ein Teil der weiblichen Bevölkerung hiervon nicht angesprochen. Zum Glück kann man im Deutschen fasst jeden männlichen Begriff durch ein simples „In“ feminisieren.

Ein Arzt wird zur Ärztin, ein Lehrer zur Lehrerin und ein Bundeskanzler zur Bundeskanzlerin.

Um gerechter zu sprechen, nutzt man deswegen beide Formen. Die männliche und die weibliche, um Frauen in der Sprache sichtbar zu machen.

In offiziellen Papieren, wie Studien oder Ansprachen, spricht man deshalb in der Regel beides an. 

Beispielsweise:

„Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind zu folgendem Ergebnis gekommen..“

Dadurch kann man den unterbewussten „Sexismus“ bekämpfen, der in den Köpfen der Bevölkerung steckt. Bisher hat das eigentlich ganz gut funktioniert.

Gendern heute:

Deutschland ist ein diverses Land und hat sich in den letzten Jahren sehr verändert.

Vor allem Menschen aus der queeren Community konnten in den letzten Jahren neue Rechte erlangen, wie zum Beispiel die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe.

Allerdings hat unsere Sprache damit, zumindest jetzt noch, ein Problem.

Denn Menschen die sich nicht mit dem männlichen oder weiblichen Geschlecht identifizieren, fallen durch das Raster und werden nicht in der Sprache sichtbar.

Hier kommt das Gendersternchen, ein simpler Stern, welcher in Bezeichnungen mit auftaucht um diese Menschen sichtbar sind, ins Spiel.

Die Idee ist, dass man statt mehreren Begriffen nur einen sagt, um alle Menschen anzusprechen.

Aus den Ärzten oder den Ärztinnen werden die Ärzt*innen

oder Lehrer*innen.

Sprache soll so gerechter und einfacher werden. Allerdings stößt es auch auf Widerstand in der Gesellschaft.

Viele finden es klingt eigenartig, oder es ist kompliziert zu schreiben.

Aber hat es denn, überhaupt einen Einfluss ? Das lässt sich nicht eindeutig sagen. Sprache entwickelt sich dauernd weiter und Sprache lässt sich nicht erzwingen. Der Sprachgebrauch wird es zeigen, ob gendern eine Zukunft hat.

Die Idee ist schön eine Sprache, die gerecht gegenüber all ihren Verwendern ist. Doch der Schein trügt und ich möchte erklären warum.

Grammatikalisches Geschlecht ist nicht gleich biologisches Geschlecht:

Ein grammatikalisches Geschlecht bezeichnet eigentlich nicht das biologische Geschlecht.

Ein gutes Beispiel ist, dass Wort „Mädchen“.

Wir alle wissen, dass ein Mädchen, biologisch das weibliche Geschlecht besitzt. Aber grammatikalisch wissen wir, dass die Sprache es neutral sieht.

Das Mädchen und nicht die Mädchen.

Trotzdem zweifeln wir deswegen nicht das biologische Geschlecht des Mädchens an, oder kommen auf die Idee es grammatikalisch zu ändern.

Das Sprachen sich nicht auf das biologische Geschlecht bezieht, merkt man vor allem, wenn man sich andere Sprachen ansieht. 

Manche haben unzählige Geschlechter. Genera die sich auf viele Kategorien des Angesprochenen beziehen, wie Arbeit, Alter etc.. Sprachen in Australien oder Afrika zum Beispiel (1

Andere Sprachen verwenden gar keine Geschlechter, wie Türkisch und Finnisch. (2)

Sprache bezieht sich, deshalb nicht auf das Geschlecht des Angesprochen, sondern auf seine Tätigkeit oder Beschreibung.

Man kann nicht wissen, welches biologische Geschlecht ein „Fußgänger“ hat. Denn die Sprache interessiert es in diesem Falle nicht.

Ein Fußgänger ist eine Person, welche zu Fuß auf dem Bürgersteig geht. Nicht mehr und nicht weniger.

Es könnte ein Mann, eine Frau, ein Kind, ein Rentner oder auch ein Alien sein.

Durch die Festlegung von Fußgängerinnen, legt man sich fest und weist explizit darauf hin, dass diese Person über die geredet wird eine Frau ist.

Das schafft Probleme, denn es lenkt von der Tatsache ab.

Ein gutes Beispiel, warum gendern eine Lösung für ein Problem schafft, welches weite Teile der Bevölkerung überhaupt nicht haben, möchte ich in einem weiteren Beispiel schildern.

Die DDR:

In der DDR, war es durch die sozialistische Regierung geprägt, dass Frauen arbeiten- auch in „Männerberufen“ wie wir sie nennen würden.

Frauen waren als Mechanikerin, als Dreherin, Bauarbeiterin etc. tätig.

Aber die Frauen in der DDR,  haben so nicht über ihre Berufe geredet. Denn Sie haben gesagt,  Sie waren Dreher, Bauarbeiter, Mechaniker.

Die Sprache in der DDR hat sich so verändert, dass jedem klar war, dass mit dem generischem Maskulinum auch Frauen gemeint waren.

Es war nicht nur klar, es war egal. Niemand hat sich dafür interessiert.(3)

Wortveränderungen in der BRD:

Diesen Wandel von Worten gab es zurzeit der Teilung auch in der Bundesrepublik. Den Effekt merkt man bis heute.

Früher wurde eine unverheiratete Frau, Fräulein genannt.

Eine „Frau“ war eben nur die verheiratete Frau. Die Ehefrau.

Dadurch, dass wir das „Fräulein“ weggelassen haben, hat sich die Bedeutung von Fräulein verändert. Kein Mensch würde heute die Frage stellen, wenn von Frau Müller die Rede ist, wo und wer Herr Müller ist.

Ein simples Beispiel, bei dem sich Sprache selbst „entsexifiziert“ hat.

Mit ein klein wenig Hilfe des damaligen Außenministers Genscher für die  Gleichberechtigung.

Denn die Nutzer der Sprache, entscheiden wie die Sprache sich entwickelt.

„Alte“ Worte weichen und machen Platz für „neue“. (4)

Fazit:

Mein Wunsch wäre es, dass wir es schaffen, dass wir die Bedeutung des generischen Maskulinums in den Köpfen der Bevölkerung mit der Zeit so verändern, dass es einfach egal ist, ob der Angesprochene eine Frau, ein Mann, ein Kind oder sonst irgendetwas ist. Denn letztendlich ist es, zumindest in meinem Kopf, egal. Es interessiert mich nicht,  ob mich ein Arzt oder eine Ärztin behandelt oder mich ein Lehrer oder eine Lehrerin unterrichtet. Denn wenn wir immer darauf aufmerksam machen, welches Geschlecht die Person hat, lenkt es ab und stellt das Geschlecht der Person an erster Stelle. Statt die Tätigkeit, die Aufgabe und ihre Qualifikation.

Das Beispiel aus der DDR und des „Fräuleins“ zeigen, dass dieser Wandel möglich ist.

Auch hat eine Sprache wie Englisch, offenbar nicht dieses Problem.

Es gibt kaum Wörter, die eine weibliche Form mitbringen, da sie sich nicht durchgesetzt haben. Trotzdem können Frauen auch ein Teacher werden, ohne das es Probleme gibt. Auch gibt es im englischen nur das „the“ , wodurch sich die Frage des Artikels überhaupt nicht stellt.

Mein Appel wäre, wir sollten uns nicht so viel Zeit mit Debatten aufhalten, die sowieso zu nichts führe.  Der Sprachgebrauch wird es entscheiden.

Ich lehne das Gendern mit Sternchen ab, da es meiner Meinung nach nur Probleme erzeugt. Und nicht zur Gleichberechtigung beiträgt. 

Denn Gesetze, wie die Rechtschreibreform, zeigen, dass man Sprache nicht erzwingen kann. Teile dieser Rechtschreibreform wurden nach und nach abgeschafft, da die Bevölkerung sie nicht akzeptiert hat.

Kämpfen wir doch lieber für echte Gleichberechtigung, so wie es die liberale Idee vorsieht. Dinge wie die Sprache werden von ganz alleine nachkommen.

Lassen wir die Fachbegriffe doch so wie sie sind und lassen sie nicht überfordern.

Julius M. 

Quellen:

(1): v=yHwgq4IiwRAhttps://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/60/Number_genders.png

(2): https://deutsch-coach.com/wo-gibt-es-mehr-als-drei-geschlechter/

(3): https://www.grin.com/document/471268 : Der DDR Duden umfasst weniger, weibliche Begriffe 

(4): https://www.wissenschaft.de/zeitpunkte/fraeulein-ade/

Generelle Quellen:

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